Freitag, 20. Mai 2016

20. Mai: Food Revolution Day

Jemand wie ich, der mit einem Koch verheiratet ist und sich außerdem so intensiv mit dem Thema Kinderernährung beschäftigen, kommt an Jamie Oliver kaum vorbei.  
Der Mann war der erste coole Fernsehkoch, machte Kochbücher für meine


Generation salonfähig und hip. 
Dazu beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema gesunde Ernährung für Kinder. Hat Schlagzeilen gemacht, weil er das englische Schulessen angeprangert, Eltern beschimpft und letztlich dafür gesorgt hat, dass es dort keine Süßigkeiten und Softdrinks mehr in den Kantinen gibt. Er hat sich mit der Lebensmittelindustrie und McDoof angelegt. Er hat mit endlos vielen Kindern gekocht, ihnen gutes Essen näher gebracht und ist schier verzweifelt, wenn sie Tomaten für Kartoffeln hielten. 
Er will sich nicht damit abfinden, dass manche Kinder auf der Welt zu viel Mist essen (müssen), während andere verhungern. Das verdient meinen Respekt.

Auch wenn ich mir wie immer, wenn einer so ne große Nummer wird, nicht sicher bin, wie viel davon noch Herzblut ist, und wie viel Money Making Machine. (Man lese sich mal die Terms of Use und die Privacy Policy bei der Registrierung durch...) Die Sache an sich ist in jedem Fall unterstützenswert; und wenn einer sein Gesicht dafür in jede Kamera hält, dann bringt das den Inhalt zu den Menschen - und da muss er schließlich hin.
Wichtig ist doch, dass jeder das tut, was in seiner Macht steht und das, was er weiß und kann zum Thema Kinderernährung in die Welt trägt - ob nun im Großen oder im Kleinen. Nichts anderes tue ich hier, oder wenn ich allen in meinem Bekanntenkreis die selbstgezogenen Tomatenpflanzen aufs Auge drücke *zwinker* ...weil ich die Liebe zum Essen und Kochen weitergeben will!

Heute ist "Food Revolution Day", über eine halbe Million Menschen machen mit, indem sie eines der 10 ausgewählten Rezepte nachkochen, Aktionen in Schulen und Kindergärten durchführen oder einfach zuhause mit ihren Kindern kochen. Also: gebt auch ihr die Liebe weiter! 

"[...] if we speak out now as one united, global voice, we have the power to make meaningful, lasting change in the way our children access, consume and understand food."


Quelle: Jamie Oliver, Welcome to the food revolution 

Donnerstag, 19. Mai 2016

Kooperative Urlaubs-Antipasti

Gerade will ich losschreiben, da fällt mein Blick in der rechten Spalte auf den Oster-Artikel vom letzten Jahr - und ich stelle fest: 
Das mit dem Urlaub mit dem kleinen Mann ist irgendwie öfter mal anstregend.
Diesmal waren die Ferienwohnung, das Wetter und die Umgebung (Chiemsee...Wasser, Berge, Grün) herrlich, aber der kleine Mann hat sich wieder mal sehr unkooperativ gezeigt. War wohl mit Entwicklung beschäftigt.
Hinterher ist er jedenfalls sprachlich und im Kopf ein ganzes Stück weiter:

Beim Frühstück. 
"Ich will Polizist sein wenn ich Erwachsener bin." ... "Nein, ich will lieber in einem Büruf arbeiten." Ich schaue fragend. "Na, wie du, in einem Bü..." "...Büro meinst du." ...
"Oder nee, ich will lieber Koch sein. ... Oder nee, mit Papa Koch sein, und du sitzt am Esstisch. Weißt du, warum das Esstisch heißt?" *grins* "Warum?" "Weil man da essen kann. [Pause] 
Wohne ich dann nicht mehr bei euch, wenn ich Erwachsener bin?" "Nein, dann hast du wahrscheinlich deine eigene Wohnung." Er schaut traurig. "Ich mag aber bei euch bleiben. Nee, dann will ich nicht Erwachsener werden. Dann will ich nur groß werden."

Ich sollte mal meine eigenen Ratschläge befolgen...Begriff von Urlaub überdenken, aus- und durchhalten. Omm...

Sehr gut gegessen haben wir schließlich noch dazu. Auch wenn wir die Küche in der Ferienwohnung, trotz guter Ausstattung, noch nie so wenig genutzt haben. Es war einfach zu oft Biergarten-Wetter. 

Aber der erste Abend, der war nicht viel Arbeit obwohl wir nicht aus waren, sondern die Terrasse mit Blick in den Obstgarten genossen haben. Ich hatte nämlich vor der Fahrt noch eine angeschnittene Zucchini übrig und hab überlegt, wie ich die noch in den Urlaub retten kann. Idee: zu einem Antipasto "vergemüsen"!
Kann man ein paar Tage vor der Reise vorbereiten, dann hat man am Ankunftsort eine tolle Vorspeise oder zusammen mit einem frischen Brot ein fertiges, herrliches Urlaubs-Abendessen.
An guadn! oder so... ich bin zu lang aus Bayern weg...

Antipasti-Gemüse

Zutaten:

max. 1 Woche vor Abreise herstellen
ergibt etwa 4 Portionen (als Vorspeise)

1 gelbe oder grüne Zucchini (oder Aubergine)
3 Zehen Knoblauch
1 rote Paprika 
etwas Zitronensaft
Olivenöl 
Salz
Pfeffer
Italienische Kräuter (TK) mit Zwiebeln

Paprika

Backofen auf 220 Grad (Umluft) vorheizen. Paprika abwaschen und Kerngehäuse entfernen. Längs vierteln. Mit der Schale nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Im Ofen rösten bis die Schale Blasen wirft, dabei darf sie auch schwarz werden. Schale abziehen. Wenn sie sich noch nicht leicht löst, die Paprika einige Minuten in einen (Plastik-) Gefrierbeutel geben.
Abgezogene Paprika leicht salzen und pfeffern.

Zucchini

Zucchini waschen und in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Knoblauch schälen, Zehen leicht andrücken und in Öl bei mittlerer Hitze in der Pfanne schwenken. Flamme etwas höher stellen und Zucchini nach und nach anbraten, bis sie auf beiden Seiten eine schöne Farbe hat.
(Wer eine Grillpfanne hat, ist hier im Vorteil, denn das Ergebnis sieht nicht nur hübsch aus, sondern die Rillen sorgen dafür, dass das Gemüse nicht zu schnell und allzu ungleichmäßig dunkel wird. Es geht aber auch mit einer normalen beschichteten Pfanne.)
Die Knoblauchstücke aus der Pfanne nehmen, bevor sie zu dunkel werden und beiseite legen. Die Zucchini auf einem Gitter oder Küchenpapier abtropfen lassen, von beiden Seiten leicht salzen und pfeffern und Kräuter darüber streuen.

Das übrig gebliebene Öl aus der Pfanne durch ein Sieb in eine kleine Schüssel geben. Gerösteten Knoblauch (Menge nach Geschmack) fein hacken. Gemeinsam mit etwas Zitronensaft einrühren, so viel Olivenöl dazugeben, dass es für beide Gemüsesorten reicht. Etwas Salz dazugeben.
Beide Gemüsesorten vorsichtig jeweils in einen (oder mehrere) Gefrierbeutel legen und mit Ölmischung benetzen.

Gefrierbeutel glatt streichen, sodass möglichst viel Luft heraus gestrichen wird. (Wer einen Vakuumierer hat, nimmt einen entsprechenden Beutel und saugt die Luft aus, soweit das mit der Flüssigkeit möglich ist.) Zusammen mit Öl und Salz sorgt das dafür, dass das Gemüse ausreichend lange konserviert wird und gut durchzieht, was auch dem Geschmack sehr zugute kommt.

Montag, 11. April 2016

Du bist was Du isst?!

Oh, wie ich diesen Spruch hasse! Ja, HASSE.
Ich bin also fettige, matschige Lasagne, und Du bist ein Grünkohl-Apfel-Smoothie?  Ich bin also disziplinlos und fett... und Du bist hip und rank und schlank...? Ja? JA?!
Ich sag nur Essen in gut und böse einteilen



Anfang März fand ein Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unter dem Motto "Der Mensch ist, was er isst" statt und bezog sich dabei ebenfalls auf das Zitat von Ludwig Feuerbach aus dem 19. Jahrhundert. Weniger wörtlich wird es dort verstanden, sondern als Ausdruck dafür, dass "Essen, Nahrung und Ernährung [...] wichtige Ausdrucksmittel für soziale Beziehungen und Kommunikation" sind. So weit herrscht denke ich Einigung.

Aber auch im wörtlichen Sinne: Wer nur Mist isst, kann von seinem Körper nicht erwarten, dass der das alles ausgleicht und trotzdem strotzt vor Energie und Gesundheit.
Aber was genau "Mist" ist, das ist eben die Frage. Denn dass eine gesunde Ernährung immer aus der Summe der Teile besteht, und es deshalb nie ein Lebensmittel alleine ausmacht, das hatten wir ja schon.

Und auch die Menge, die ein Mensch essen kann bzw. sollte ist eben von vielen Faktoren abhängig und nur in Normen darzustellen, in die der Einzelne, vor allem als Kind, mehr oder weniger gut hinein passt - ich sag bloß Entwicklungsschub...

"Im Hinblick darauf, wie viel sie essen, scheinen Kinder [...] eine erstaunliche Fähigkeit der Selbstregulierung zu haben," stellt Alfie Kohn fest. "Es sei denn, wir versuchen, das Kommando über ihren Körper zu übernehmen. Vor ein paar Jahren führten zwei Ernährungswissenschaftler* [...] einen faszinierenden Versuch durch. Sie beobachteten 77 Kinder zwischen zwei und vier Jahren und brachten in Erfahrung, inwieweit ihre Eltern Kontrolle über ihre Essgewohnheiten auszuüben versuchten. Sie stellten fest, dass" den stark kontrollierten Kindern "die Fähigkeit, ihre Kalorienaufnahme zu regulieren, abhanden gekommen war. [...] Die Kinder [...] hörten auf, den Hinweisen ihres Körpers darüber, wann sie Hunger hatten, zu vertrauen. Eine Folge: Viele von ihnen begannen schon dick zu werden."

Kontrolle bedeutet eben auch, seine persönlichen Vorstellungen auf das Kind zu übertragen und Essen ein Image zuzuschreiben, das da eventuell gar nicht hingehört. Insofern ist beim Thema Kinderernährung weder überschwengliches Lob noch regelmäßiger Tadel oder Druck angebracht. 
Stattdessen sollten wir lieber auf die angeborene somatische Intelligenz unserer Kinder vertrauen - also "die Fähigkeit des Körpers, durch Lust, Geschmack, Abneigung und Bekömmlichkeit zu zeigen, was er braucht und was nicht." so beschreibt es Thomas Frankenbach, der den Fachbereich Ernährung und Bewegung in einer Rehaklinik leitet und schon einige Bücher zum Thema veröffentlicht hat.

Kinder können das - wenn wir es Ihnen nicht abtrainieren. Aber auch für Erwachsene gilt: indem ich meine Wahrnehmung schule, auf meine körperlichen Signale achte (statt sie immer wieder zu ignorieren) - vor, während und nach dem Essen - kann ich für eine optimale Ernährung sorgen, ohne Diät, Ernährungsplan & Co. Vorraussetzung: ZEIT, keine Ablenkungen, sprich: Essen ohne Autopilot.

Eine Einteilung von Essen in gut/schlecht ist nicht richtig und nicht nötig wenn man auf die somatische Intelligenz vertraut und sich bewusst ist, dass jeder Mensch anders ist - und deshalb anders isst.
Achtsam sein bedeutet hier eben auch: nicht werten, sondern gegenwärtig das erleben, was passiert. Wenn es mir nicht gut tut, darf und sollte ich aufhören.

"Eine optimale Kost ist die, auf die wir Lust haben, die uns schmeckt und die uns gut bekommt. Dann haben wir das Wollen und Brauchen vereint und keine Gewichtsprobleme mehr, weil eine Kost, die dick macht, unseren Gelenken und unserem Wohlbefinden eben gar nicht gut tut. Das Ergebnis sind in der Regel glücklichere Menschen" so Frankenbach über seine Erfahrungen mit somatischer Intelligenz.

Das klingt gut. Du bist was Du isst?! 
Du isst was Du isst! Und zwar am Besten das, was Dein Bauch Dir zugrummelt, wenn Du ihm gut zuhörst.

Quellen: Alfie Kohn "Liebe und Eigenständigkeit" (S. 70/71),  Interviews mit Thomas Frankenbach über somatische Intelligenz im SPIEGEL und und in der Brigitte 7/2015, 53. DGE-Kongress 
*Johnson und Birch aus Illinois

Sonntag, 6. März 2016

Das bittere Ende? Chicorée-Salat

Ich hab mir vorgenommen, öfter Chicoree zu essen. 
Auch wenn es dieses Lebensmittel nicht in die Big 20 geschafft hat, hat es viel zu bieten: er ist u.a. reich an Vitamin B1 und B2 sowie Calcium, ist also eine gute natürliche Vitaminquelle im Winter. Seine Bitterstoffe regen außerdem die Verdauung an und die große Menge an Inulin macht ihn zu einer exzellenten Quelle für lösliche Ballaststoffe - und die füttern ja die besten Freunde des Darms.
Ja, richtig gehört, Ballaststoffe. Wer da nämlich nur an Müsli-Papp und Körner denkt, ist schief gewickelt.

Allerdings bin ich nicht so der Bitter-Fan... und der Koch noch weniger. Eine kurze Recherche ergibt: 5 Minuten in warmes Wasser legen hilft angeblich gegen die Bitterkeit. Hm, da verlieren wir zwar ein paar der wertvollen Inhaltsstoffe, aber wenn wir dann mehr davon essen, rechnet sich das vielleicht. Also, versuchen wir's.


Quelle: Chicorée-Zeichnung von pflanzenforschung.de
  
Der Koch und ich waren mehr als überrascht, wie gut der rohe Chicorée schmecken kann - und überhaupt gar nicht bitter! Wir waren begeistert, der Junior ebenso und die Schüssel war ruck-zuck leer...

Wirklich fasziniert war ich aber erst, als ich nach dem letzten Bissen Salat einen Schluck von meinem Brombeer-Pfefferminz-Ti genommen habe. Boah, volle Kanne Bitter-Attacke! Wie kommt denn das? Reagiert da etwas mit der Pfefferminze? Oder mit der Brombeere? Oder der Zitronensäure?
Wo sind die Chemiker, wenn man sie mal braucht?

Der kleine Mann war auch völlig hingerissen und hat das Experiment gleich mehrmals gemacht: Chicoreesalat - mh, lecker. Schluck Tee - bäh!
Chicoreesalat - mh, lecker. Schluck Apfelsaft - AHA, immer noch lecker!
Ich würde sagen: Zufälliger ernährungspädagogischer JACKPOT!

Möglicherweise sitzt da ein zukünftiger Wissenschaftler am Tisch? Vielleicht bringt der die Ernährungswissenschaft mal auf Trab! 
Ach, ist das nicht herrlich, was man alles in ein Kind hinein interpretieren kann...! 


Chicorée-Salat mit Apfel und Ei

Zutaten:

ergibt etwa 4 Portionen

3 violette oder grüne Chicoréeköpfe
1 Apfel
2 hartgekochte Eier
1 Schalotte
Distel- oder Sonnenblumenöl
Joghurt, 3,8% Fett 
Senf, mittelscharf
weißer Balsamicoessig
etwas Salz
frisch gemahlener Pfeffer 
etwas Zucker
etwas Schnittlauch


Eier hart kochen und abschrecken. Strunk des Chicoree großzügig entfernen und Blätter ca. 5 Minuten in lauwarmes Wasser legen, danach abtropfen lassen oder trocken schleudern. Apfel gründlich waschen, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Schalotte schälen und ebenfalls würfeln. Für das Dressing 2 EL Öl mit 4 EL Joghurt, 2 EL Essig und 1 EL Senf gründlich verrühren, würzen und abschmecken. Zwiebel- und Apfelwürfel unterrühren.
Chicoree in Streifen (etwa 0,5 cm) schneiden und Dressing über den Chicorée geben. Die hartgekochten Eier schälen und in Würfel schneiden und über den Salat geben. Mit Schnittlauch bestreuen.